Reinhards Zusammenfassung
aus den Gesprächen der Mailingliste "Landleben"
So fing es an:
Ulrike schrieb:
"Ansonsten musst du einfach ein Haus auf dem Lande mieten oder kaufen
und loslegen."
Aber wo und wie fängt man an? Wie findet man das Traumhaus, den einsamen
Hof? Einfach durch's Land fahren, sich auf einen Berg stellen und dann
in alle Himmelsrichtungen nach einem leerstehenden Haus schauen?
Am besten so:
Uber das solltest du dir von Anfang an im Klaren sein:
1. In welche Region möchte ich, und welche Lage soll es sein? Möchte
ich Einsiedler am Waldesrand sein, oder will ich meine Nachbarn sehen?
Das führt auch gleich zu Punkt 2.: Was soll es sein? Ein Häuschen
mit Garten, ein Resthof, oder ein ganzer Bauernhof?
Und das hängt eng zusammen mit der Frage: 3. Wieviel kann oder
will ich ausgeben? Soll ich pachten/mieten oder gleich kaufen?
Punkte 1+2, besser auch 3 sollten geklärt sein, wenn man sich auf
die Suche macht.
Tja, und dann kommt die Kernfrage: Wie finde ich es?
Der erste Schritt im Internetzeitalter ist meistens, sich über
eine Immobiliensuchseite einen ersten Eindruck von der Gegend zu verschaffen.
Eine Auflistung gibts im Anhang. Sehr empfehlenswert, um einen Überblick
über die Immobiliensituation zu finden ist, sich eine Zeitung oder
mehrere aus der Gegend zu besorgen, weil Verkäufe von Privat, gerade
bei der Landbevölkerung eher nicht über's Internet abgewickelt
werden. Du wirst die Gegend ja sowieso besuchen und kannst dir dabei
die Zeitung(en) und kostenlosen Anzeigenblättchen besorgen. Und
außerden erfährt man gleich, was in der Gegend sonst so passiert
(Mülldeponie, Pferdeschlächter etc.). In vielen Dörfern
gibt es einen Aushangkasten über Verwaltungsangelegenheiten, auch
da lohnt es sich einen Blick hinein zu werfen.
Spätestens bei der Aufgabe der eigenen Annonce braucht man die
lokalen Zeitungen sowieso, weil der Altbauer in der Regel nicht im Internet
surft, sondern den Lokalteil und die Anzeigenblätter liest. Und
dann setzt du die Annonce natürlich in alle verfügbaren Zeitungen,
die dein Wunschgebiet abdecken.
Es gibt außerdem Fachzeitschriften, die sich an Gärtner und
Landwirte richten, und in denen man auch - ab und zu - brauchbare Angebote
findet oder eigene Annoncen platzieren kann.
In Kraut & Rüben inseriert immer ein Verlag: "Höfe,
Land-, Forst- und Bauernhäuser in Versteigerung. Terminliste mit
Objektbeschreibungen." Habe ich aber - noch - nicht ausprobiert.
Vor Jahren hat mir ein alter Landfreak, der von Frankfurt in den Frankenwald
gezogen war, gesagt, dass er die Landratsämter / Landwirtschaftsämter
in seiner Wunschgegend angeschrieben hat.
Eine Mitgliedschaft beim Vogeschutzbund oder beim BUND
ist auch hilfreich, weil man da über Kontakte in die lokalen Orts-
oder Kreisverbände an aktuelle Informationen kommt.
Zeit und Geduld sollte man schon haben, denn für die Suche solltest
du mindestens ein halbes Jahr rechnen und auch eineinhalb Jahre sind
nicht auszuschließen, bis du dein Traumhaus hast. Also möglichst
aus einer sicheren Position und nicht erst unter Zeitdruck suchen.
Als Anhang habe ich eine Liste von informativen
Links und die Websites von Landwirtschaftlichen Blättern aufgeführt,
in denen öfter mal ein Hof oder ein Haus auf dem Land angeboten
wird.
Oder doch besser zum Makler? Es kann sich lohnen!
Sollte die eigene Suche nichts oder nicht das Gewünschte erbringen,
führt am Makler kein Weg vorbei.
Sie sind insofern hilfreich, als sie das lokale Angbot am besten kennen.
Im Internet suchen geht fast nur über Makleragenturen. Am besten
nach einem regionalen Makler schauen, der sich auf das Gesuchte spezialisiert
hat: Haus- und Hof-Immobilien. Spätestens hier zahlt es sich aus,
wenn man eine feste Vorstellung vom Objekt und der Finanzierung hat,
dann kann die Auswahl vernünftig eingeschränkt werden und
auch der Zeitaufwand hält sich in Grenzen.
Der Makler hat vom Verkäufer beim Kaufpreis immer einen Spielraum.
Sein Interesse ist, den Verkaufspreis so hoch wie möglich zu halten,
seine Provision ist ja prozentual daran gekoppelt. Achte also bei einer
Besichtigung auf alle Mängel oder Umstände, die den Wert mindern.
Wenn du gute Argumente hast, kann er sich einer Preisgestaltung in deinem
Sinne nicht entziehen. Schließlich will er ja verkaufen, nur dann
bekommt er seine Provision. Denke immer daran: Den Makler bezahlst du
als Käufer.
Dazu noch ein Tipp: Nicht um die letzten 500 Euros feilschen, sondern
lieber auf besenreiner Übergabe bestehen. Es wird wahrscheinlich
weit mehr an Zeit und Geld kosten, einen Hof in besenreinen Zustand
zu versetzen, als der heruntergehandelte Geldbetrag ausmacht. Eigene
Arbeitszeit, Drecksarbeit und Containerbereitstellung kann man sich
ersparen. Und wenn man doch noch selber mithilft, kann man evtl. sogar
ein paar Rosinen aus dem Müll herauspicken. Achtung: Besenrein
sollte auf jeden Fall auch verbuddelte oder 'vergessene' Altlasten einschließen.
Ganz Glückliche finden einen Makler, der selber Häuser und
Höfe aus Liebe und Leidenschaft saniert und durch Kontakte zu Lieferanten
auf Baumaterial oder z. B. Fenster, bis zu 40% Rabatt bekommt. Das ist
echtes Bargeld wert.
Ich habe was gefunden! Was jetzt?
Sobald du dich auf eine Gegend oder gar auf ein Objekt festgelegst,
dann fahr oft dort hin, auch und gerade bei tristem Wetter. Und wenn
ein Gasthaus im Ort ist, geh dort essen und versuche ins Gespräch
zu kommen.
Wenn die Zeit reicht, mach ein paar Tage Urlaub am Ort. Schau, ob du
wirklich HIER leben möchtest.
Sprich mit den Nachbarn oder anderen Menschen im Ort, gerade wenn es
ein Dorf ist. Klingel ruhig mal, die meisten Menschen erzählen
gern, versuche alles, um vorher Kontakt zu kommen. Was sind das hier
für Leute, sind sie dir sympathisch? Du wirst neben ihnen und mit
ihnen leben müssen. Spaziere auf dem Friedhof herum, frag die Oma
im Garten, was da für eine tolle Pflanze wächst.
Ganz wichtig: Mach dir beim Rundgang eine Liste, schreibe ALLES auf,
was dir postiv oder negativ auffällt. Über das, was dir positiv
auffällt, kannst du dich freuen (kostet nichts), was dir negativ
auffällt, wirst du später ändern, und das wird dich zusätzlich
Geld kosten
Wenn du dir nicht zutraust, den Zustand eines Gebäudes richtig
einzuschätzen und dir einen Bausachverständigen leisten kannst
- investiere das Geld
Und weil es natürlich noch andere Interessenten gibt, kann das
Ganze in eine Zitterparie ausarten. Aber es ist nicht immer so, dass
der, der mit dem dicksten Barscheck wedelt, auch den Zuschlag erhält.
Oft entscheidet sich der Verkäufer auf Grund der Pläne, die
der Käufer mit dem Haus hat und wie die gemeinsame Chemie stimmt.
Der persönliche Eindruck und die überzeugende Darstellung
des Vorhabens kann Ausschlag gebend sein. Wer schon einmal ein Haus
umgebaut hat und an Hand von Fotos vorweisen kann, was er daraus gemacht
hat, hat von vornherein die Trümpfe in der Hand.
Liebe deinen Nächsten ...
Noch etwas zur Auswahl: Es hat sich gezeigt, dass zu große Nähe
zum Nachbarn nicht zu empfehlen ist. Es gibt neidische Nachbarn, die
selbst nicht den Elan aufbringen ihr Haus herzurichten, wohl aber genügend
Energie haben, um die Nachbarschaft zu terrorisieren. Je größer
der Wunsch nach privater Ruhe und eigener Entfaltungsmöglichkeit
ist, umso mehr sollte Wert auf genügenden Abstand zum Nachbarn
gelegt werden. Auf der sicheren Seite ist man, 'wenn mich der Nachbar
nicht hört, wenn ich ihn rufe'. Ein Haus, in das man jahrelange
Arbeit und Kreativität gesteckt hat, wegen eines neidischen Nachbarn
wieder verkaufen zu müssen, bedeutet ein Stück seines Lebens
zu verlieren. Alleinlage kann ein Segen sein, und wer die Lieferatinnen
seiner Frühstückseier mit einem Hahn beglücken will,
für den ist es nahezu ein Muss.
Mieten, Pachten, Kaufen, Verkaufen
Wenn du den Traum deines Lebens gefunden hast, stellt sich die Frage:
Kaufen oder mieten bzw. pachten? Kaufen bedeutet entweder einen großen
Batzen Geld auf einmal hinlegen, evtl. sich zu verschulden und dafür
ein Haus besitzen. Mieten heißt, regelmäßig relativ
kleine Beträge zu zahlen und die Freiheit zu haben, sich jederzeit
etwas anderes zu suchen. Es hängt halt von der eigenen Lebensplanung
ab und natürlich von den Vorstellungen des Besitzers.
Wenn man das Leben auf dem Land erst einmal ausprobieren will, ist Miete
wahrscheinlich der bessere Einstieg, allerdings mit Auflagen und Einschränkungen
durch den Vermieter verbunden. Die Hausbesitzer sitzen dabei am längeren
Hebel und lassen ggf. ihre Macht spüren. Bei einem landwirtschaftlichen
Anwesen gibt es die Möglichkeit der Pacht, die wird (in Bayern)
auf jeweils 9 Jahre abgeschlossen und gibt dir als Pächter weitaus
größere Möglichkeiten zu gestalten, wie du es willst.
Allerdings fällt der Hof, wenn keine Verlängerung vereinbart
wird oder du ihn kaufst, nach Ablauf der Frist an den Eigentümer
zurück, und alle Investitionen sind verloren. Das wäre eine
Option, wenn es keine großen Umbauten braucht, du hauptsächlich
das Land nutzen und das spätere Alter woanders verbringen willst.
Die einhellige Meinung in den Beiträgen, auf Grund eigener Erfahrungen,
ist: Kaufen ist auf jeden Fall besser. Die Freiheit, selbst zu bestimmen,
was man bauen, umbauen oder erneuern will, ist unerlässlich für
das 'Leben auf dem Land'-Gefühl. Die zu zahlenden Kreditraten gehen
nicht verloren, wie das bei der Miete der Fall ist, sondern dienen dem
Aufbau des Eigentums. Und wenn du Häuser umbauen und anschließend
verkaufen willst, kommst du am Kauf sowieso nicht vorbei.
Wenn du bereits ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung besitzt,
wäre auch ein Tausch anzudenken. So manche ältere Leute auf
dem Land würden gerne in eine kleinere Wohnung näher an den
öffentlichen Versorgungseinrichtungen ziehen. Und die gegenseitigen
Kaufs- und Verkaufspreise könnten auf ein (steuerlich?) günstiges
Niveau gesetzt werden.
Und wie komme ich ans Geld? So:
Banker sind auf Ihren Vorteil aus. Sie werden dich unter Druck setzen,
sie werden an deinen
Plänen rummäkeln, deine eingereichten Unterlagen bemängeln,
deinen Sicherheiten misstrauen usw.
Aber nachdem du das alles schon weißt, kannst du etwas zu deinem
Vorteil anwenden. Die wollen nämlich dein Geld. Sie brauchen deine
Zusage, deine Unterschrift - und somit bist du, obwohl es nicht so aussieht,
in der besseren Verhandlungsposition. Es gibt ja auch noch andere Banken
- und andere unvermutete Quellen: Die Volksbank realisierte z.B.einen
sehr günstigsten Kredit (aktuell 5%) via DG-Bank aus Mitteln der
"landwirtschaftlichen Rentenbank".
Aber wenn es irgendwie geht, versuche gar nicht erst selbst mit den
Banken verhandeln. Schalte einen Finanzmakler ein, dessen Provision
von der Bank gezahlt wird. Es gibt gute und vor allem von Banken unabhängige.
Sie kennen sich aus im Gewerbe und wissen (hoffentlich) auch, dass man
sich seinen Traum nicht nur von Banken, sondern auch von Versicherungskonzernen
finanzieren lassen kann. Die müssen ihr Geld ja auch anlegen und
bieten sehr gute Konditionen.
Jetzt wird's notariell
Die Art der Finanzierung muss zum Zeitpunkt dieser Entscheidung auf
jeden Fall gesichert sein, denn jetzt steht - im Falle des Kaufs - der
Gang zum Notar an. Der Termin wird meistens vom Makler oder Käufer
mit dem Notar vereinbart und sollte im Normalfall innerhalb von 14 Tagen
zu erreichen sein.
Vor dem Gang zum Notar sollte auf jeden Fall geklärt sein, ob ein
- wie auch immer geartetes - Vorkaufsrecht besteht. Im Normalfall weiß
das der Makler und natürlich auch der Besitzer. Ob man mit einer
ofiziellen Anfrage beim Kreis oder der Gemeinde auf Nummer sicher gehen
soll, oder lieber keine schlafenden Hunde wecken sollte, kann man mit
etwas Gespür beim Gespräch mit Makler oder Verkäufer
herausfinden. Im Zweifel sollte man sich schon für die gesicherte
Information entscheiden. Der Notar wird auf jeden Fall darauf hinweisen,
welche Rechte mit dem Grundstück verknüpft sind. Z.B. kann
ein Wegerecht existieren, bei Mühlen besteht meistens auch ein
Wassernutzungsrecht und Energieversorger können evtl ein Durchleiterecht
haben. Dann kann plötzlich ein wertmindernder Überlandmast
in der idyllischen Aussicht stehen oder ein Kabelschacht geht quer durchs
Frühbeet. Das Denkmalamt könnte ggf. ein Wörtchen mitzureden
haben - nicht beim Kauf, aber später beim Aus- oder Umbau. Ebenso
die untere Naturschutzbehörde, die auch ggf. die Nutzung des Geländes
beeinflussen kann.
Ein Blick ins Grundbuch vor dem Kauf, um vor Überraschungen gefeit
zu sein, kann auf keinen Fall schaden. Einsehen kannst du im Grundbuchamt
oder man kann sich - gegen Gebühr - einen Auszug schicken lassen.
Ausserdem solltest du dich bereits vor dem Notartermin mit dem Verkäufer
auf einen Schlüsselübergabetermin verständigen, um die
Modalitäten (z.B. besenreine Übergabe) im Kaufvertrag festzuhalten.
Die Eintragung beim Grundbuchamt veranlasst der Notar, die Überschreibung
wird vom Grundbuchamt schriftlich bestätigt, und ab jetzt ist auch
Steuer fällig. Dass es ein ganzes Jahr dauert, wie beim Grundbuchamt
Nauen, ist nicht zu hoffen. Meistens wissen Makler und Notar von welcher
Zeitspanne - ein paar Wochen - man ausgehen kann. Nachdem aber das Vorkaufsrecht
bis zur Grundbucheintragung gilt, hast du erst nach diesem Termin dein
Schäfchen im Trockenen.
Den Champagner zum Anstoßen solltest du aber schon vorher auf
Eis gelegt haben.
Danke Monika, Karin, Ulrike und Jürgen
Und hier die versprochenen Infos:
BLV Verlagsgesellschaft: http://www.blv.de;
Jede Menge Fachblätter für die Landwirtschaft
dlv Deiutscher Landwirtschaftsverlag Tel 089 -12705 - 214; Fax - 335
Kraut & Rüben: http://www.krautundrueben.de
Versteigerungslisten / Verlag: Tel. Nr. 08546 - 1400
Unter Google als Suchworte eingeben: Resthöfe, Alleinlage
Immobilien-Website: http://www.immobilienscout24.de
Auf der Focus-homepage gibt es unter 'Geld - Immobilien' eine
gebührenpflichtige Seite, auf der man seine Suchkriterien eingeben
kann und in einer bundesweiten Angebotsliste herumsuchen kann.
Muss ich erst noch genauer recherchieren.
Und so findet man die landwirtschaftlichen Wochenblätter:
Für
Baden-Württemberg: http://www.bwagrar.de/
Bayern: http://www.wochenblatt-dlv.de/sro.php?redid=3501
Neue Bundesländer: http://www.bauernzeitung.de/index1.htm
Rheinland: http://www.lz-rheinland.de/
Westfalen-Lippe: http://www.wochenblatt.com/menu/
Überregional: http://www.landbuch.de/wochenbl.htm
Und wer noch mehr oder was anderes sucht schaut in diesem Media-Index
nach:
http://www.ex.ac.uk/german/media/landwid2.html
Und Bauernhöfe finden sich auch unter: http://www.alverskirchen.de/1markt/index.php
Bei der Stiftung Warentest kann man sich zum Thema Finanzierung
beraten lassen: http://www.warentest.de/pls/
Zusammengestellt von Reinhard Häpp